Diesel-Lok Spoornet Class 35-612

TransNet (damals noch SAR, South African Railways) beschaffte zwischen 1971 und 1980 mehrere Serien dieser Lokgattung. Die Serien 000,400,500 und 900 entsprachen im Wesentlichen der General Electric U26C Schmalspurlok, Die Serien 200, 600 und 800 wurden von General Motors geliefert und entsprechen in Variationen der GT26MC. Die Loks wurden zwischenzeitlich teilweise aufgefrischt, neu motorisiert, umgebaut und nach Unfällen wieder neu aufgebaut. Somit entstanden unzählige Variationen, für den Nachbau muss man sich also für eine bestimmte Maschine entscheiden.

Warum die Class 35: Die Aristo SD45 im ungefähren Massstab 1:29 auf Normalspur, entspricht in ihren Massen in 1:22,5 exakt der schmalspurigen Ausführung, die ich als Basis brauche. Die Längen sind absolut identisch, die Breite die ist etwas zu weit, es muss also ein Kompromiss zu den bestehenden Gartenbahnmodellen gefunden werden. Die Lok muss also von Kastenbreite 2800 auf etwa 2550, das entspricht 11,4 cm, gebracht werden. Die Drehgestelle können ohne Änderung übernommen werden, das vereinfacht das Projekt wesentlich!

Die Aristo-Lok trägt die Nummer 612. Will ich diese Nummer übernehmen, müsste ich eine Lok der 600er-Serie bauen, die von 1974 bis 1976 in Südafrika in 208 Exemplaren in Lizenz gebaut worden ist (die ersten 50 Stück der 200er-Serie wurden aus den USA importiert).

Das Aussehen der Fahrerkabine unterscheidet sich von Serie zu Serie und auch die Aufbauten sind nicht gleich, schon wegen der verschiedenen Hersteller (GE, GM, Aloes (Lizenz). Die Loks waren mit 16-Zylinder Motoren mit 1940 kW ausgerüstet und wiegen 85 Tonnen!. Die Loks von GM waren 16,5 Meter lang, die GE-Version knapp 18 Meter. Meine Lok wird also eine Lok mit GM-Ursprung werden. Das Modell wird recht nahe am Vorbild sein. 

Von der Idee zur Ausführung

Gerade hatte ich in den USA Güterwagen-Drehgestelle bestellt, der Betrag für das Porto versetzte mich in einen Schockzustand. Der konnte nur durch einen weiteren Schock gelöst werden! Ich konnte einem Ausverkaufsangebot von Aristocraft nicht widerstehen, so kam ich an die blaue SD45. Eine Allerweltsdiesellok, die in den USA zu tausenden herum kurvt. Aber eben, sie war Blau! Die schöne Begleiterscheinung: Das Porto blieb gleich!

Da stand sie nun im Regal. Sie hatte ganz andere Kupplungen als mein übriger Rollmaterialbestand - in der Zwischenzeit hat sich das allerdings etwas geändert. Was nun mit dem Teil? Da kam der Gedanke eine Maschine der Spoornet zu bauen, denn mein Rollmaterial für die in Südafrika heimische Bahn war noch etwas ausbaufähig. Die SD45 ist eine Normalspurlok in irgend einem Massstab, bezeichnet mit G... Ich begann zu messen und die Aristo-Kiste hat - wie schon oben erwähnt - die Betriebsnummer 612. Das kann ich auch bieten! So beschloss ich, die 35-612 zu bauen. Danach begann ich zu rechnen - man glaubt es kaum, die Masse entsprachen exact denen der Spoornet-Maschinen der Serie Class 35! Das aber in Schmalspur (Kapspur) ! 

Das wäre etwa das, was mir vorschwebt zu bauen. Die Grösse des Rahmens ist gut ersichtlich, die Aufstiege ebenfalls. Die Kabine ist länger, die Nase kürzer. Auch reicht der Aufbau weiter an das Ende heran, beidseitig.

Was am Modell - natürlich dem normalspurigen Vorbild entsprechend - auffällt, ist der anders gestaltete Rahmen. Bei der Schmalspurversion ragen die Kupplungen nur knapp durch die Frontschürzen und der Rahmen reicht darüber hinweg. Auch sind die Aufstiege etwas anders, jedoch einfacher gestaltet. Dies sind die ersten Änderungen, bzw. Teile die neu gebaut werden müssen.

10.04.2014

Nach etwas genaueren Recherchen, kann das Fahrwerk übernommen werden, wie es vorhanden ist. Die Drehgestell-Enden sind ausgeprägt länger, es ist ein Unterzug vorhanden. Darüber kommt der verkürzte Diesel-Tank, direkt unter dem Rahmen. Die Aufstiege sind an die Frontschilder angebaut. Das ist eigentlich alles, was unter dem neu anzufertigenden Rahmen geändert werden muss.

Für die Aufbauten ist totaler Neubau erforderlich! Die Motorenverkleidung ist am Ende nicht spitz zulaufend, sondern gerade. Die Lüfter sind anders angeordnet. Was arbeitsintensiv sein wird, ist die Neugestaltung des verlängerten Führerhauses und die kürzere, gerade endende "Nase".

19.09.2015

Die ersten Erkenntnisse bei der Bearbeitung des Projekts sind die, dass der Rahmen (Chassis) komplett neu gebaut werden muss. Die Frontpartien müssen ebenfalls im Eigenbau entstehen. Soweit kein Problem. Jetzt kommt etwas ins Spiel, was dem ernsthaften Modellbauer zuwider ist: Der Kompromiss!

Kompromisse

Als Erstes muss die Lok schmaler werden. Wird sie schmaler, muss sie auch weniger hoch werden. Da sind Abhängig-keiten zu berücksichtigen. Es bietet sich an, den Koloss in 1:24 zu bauen, somit können alle Bedürfnisse befriedigt und trotzdem im Massstab gebaut werden. Rahmenlänge in 1:22,5 = 732mm. Rahmenlänge in 1:24 = 687mm; Rahmenbreite 1:22,5 = 125mm; Rahmenbreite 1:24 = 117,5 (im Modell 114mm) Gesamthöhe 1:22,5 = 174,4; 1:24 = 163,5. Höhe des Rahmens: 60mm, demnach Kastenhöhe 103,5mm. Das sind soweit die (vorläufigen) Eckdaten. Es sollte in der Folge nicht dabei bleiben: Neue Erkenntnisse, ohne grosse Kompromisse, brachten mich zum definitiven Entschluss, die Lok nun doch in 1:22,5 zu bauen! Manchmal ist es schwer, die richtige Lösung zu finden...

Spoornet Class 35-612

Es mussten als erste Aktion Zeichnungen erstellt werden. Mit jeder Strichgruppe wurde klarer: Das gibt einen totalen Neubau, da ist ausser den Drehgestellen (und den Innereien) nichts weiter zu verwenden! 

Linkes Bild: Der erste Entwurf, entspricht jedoch der Class 35-100                        Rechtes Bild: Der Entwurf für die Front der 35-612 (Höhe noch nicht definitiv)!

Die "Nasenspitze" der Class 35-612 - oder ist es der Hintern?                          Die Aufnahme der Kupplung wird mittels einer Gewindestange M5 bewerkstelligt.

                                                                                                                                         Die Frontschürze bildet mit den Aufstiegen einen stabilen Kasten.

Und jetzt die wirklich brauchbaren Entwürfe:

Zwischenruf: Woher weiss der Modellbauer, wie sein Vorbild aussieht? - Es standen diverse Bilder aus der Zeitschrift "South African Railways Illustrated" und eine Kopie einer Original-Typenskizze zur Verfügung.

 

Will man einen Umbau lancieren, heisst es zuerst mal: Bilder schiessen von den wichtigsten Anschlüssen, damit später nichts verkehrt geht! Danach die Auslegeordnung! Dazu muss das Objekt in die Einzelteile zerlegt werden. Kein schöner Anblick! Aber was danach noch gekommen ist, das Aussägen der wieder zu verwendenden Teile oder die Ausschnitte und das Zerfleddern des Bodys. Es gibt aufregendere Dinge. Aber die Lautsprecheraufhängung, der Lüfter, der Aufbau mit dem Raucherzeuger, die ganze Anordnung der Klaviatur (Schiebeschalter) für die Betriebszustände, das Ballast- und Versteifungsprofil - das konnte "gerettet" werden. Auch ein paar Beleuchtungsplatinen und natürlich alles was unter der Klaviatur hängt, das bleibt.

Das Chassis ist in groben Zügen fertig, es wird aber noch dauern, bis das alles so zusammen kommt wie gewünscht. Eines ist nun klar: Die Dimension der Maschine! Zeichnungen sagen ja nicht immer alles, deshalb war ich zurückhaltend mit diesbezüglichen Aussagen! Aber es sieht so aus: Länge Rahmen 730mm; Breite 114mm; Hoehe 170mm. Das wird ein richtiger Brocken, exact im Masstab 1:22,5. Ausnahme: die Breite. Da musste etwas getrimmt werden, weil die Lok sonst an diversen Stellen auf meiner Anlage angeeckt wäre. Sie würde auch nicht mehr ins Gesamtbild passen... Und schon steht das halbfertige Chassis auf den Drehgestellen!

Der Tank musste etwas verkleinert werden, also ein Stück herausgeschnitten und wieder zusammengesetzt...

Das Untergestell wurde mal soweit ergänzt, als Material zur Verfügung stand. Es fehlen ja noch die Schienenräumer, die in 1mm ABS entstehen.

Einfach nur rumhocken konnte ich auch nicht, deshalb baute und schliff ich die Nase. 

Dann reichte es noch die Seitenwände für die Cabin zu schneiden.

Es geht weiter! Der verarbeitete Kunststoff ist ABS 2mm. Demnächst sollte auch das 1mm-Material eintreffen. Doch da gibt es mal wieder Lieferzeiten! Ekelhaft.

Es mussten noch einige Werkzeuge beschafft werden. Dazu ne kleine Story: Ich habe meine Schlüsselfeilen gesucht. Und gesucht - und gar gefunden! Doch die sind so was von stumpf... Es sind noch solche mit Holzgriffen gewesen, also schon fast antik. Jetzt habe ich mir ein Set Neue angeschafft. Ein anständiger Winkel (mit Anschlag bitte) musste auch mal ins Arsenal. Was man halt so braucht...

Nach dieser Aufrüstung im Werkzeugsektor wurden Fensterausschnitte gefeilt. So ist die ganze "Hütte" entstanden. Wenn alles mal verschraubt ist, passt das wunderbar. 

Sollte es dann auch wirklich passen, würde auch die "Klaviatur" und der Raucherzeuger am Stück in den Body einge-passt. Auf den Zeichnungen passte es. Ich bin ja gespannt!

Inzwischen wurden auch einige Gedanken zur Beleucht-ung verschwendet. Die Kabel müssen irgendwo hindurch geführt werden...

Das ist die künftige Besatzung! Der Ingenieur hat die linke Hand am Regler, in die Rechte bekommt er noch ein WalkyTalky geklemmt. Der etwas mehr pigmentierte Assistent ist in Ruheposition oder Beobachtungsposition für Signale, Hindernisse, usw...

Die Dachaufbauten werden gerichtet und fixiert

Die Lok ist im Rohbau fertig! Einige Details fehlen noch, auch die Inneneinrichtung der Cabin muss noch gebaut werden.

19.06.2016

Hier gab es einen Bauunterbruch: Die Abwesenheit von vier Wochen wird als Urlaub in Europa genutzt. Es geht weiter nach Mitte July 2016. Bis dann müssen sich die Betrachter meiner Sites gedulden.

erstellt 03.06.2016 (Bilder); ergaenzt am 04.06.2016 (Text)

Die "Pause" hat nun doch länger gedauert als angedacht. Andere Prioritäten wurden behandelt, so etwa die Ausrüstung diverser Loks mit einer Fernsteuerung für Akku-Betrieb. Auch diese Lok wird damit ausgestattet - wenn dann der Zeitpunkt da ist. Zuerst sind jedoch die Farbgebung und Beschriftung in Vorbereitung. 05.09.2016

Endlich habe ich Zeit gefunden, die Bauteile der Lok zu grundieren.

Auch habe ich mich an die Inneneinrichtung der Cabin gewagt. Dazu schnitt ich einen Boden, der dann Schritt fuer Schritt den Begebenheiten angepasst wurde. Der Boden wurde in der Folge auseinander geschnitten, fuer die Begleit-person und den Lokführer wurden die Höhen und Fixpunkte der Sitze bestimmt. Danach konnten die beiden aussenlie-genden Drittel das Bodens in die Cabin eingeklebt werden. Der mittlere Teil des Bodens ist infolge des U-Profils als Stabilisator, etwas erhöht. Dieser ist mit den mutmasslichen Schrankgrundrissen in den mutmasslich richtigen Dimensionen bestückt worden. Jetzt müssen diese Schränke nach den spärlich vorhandenen Innenansichten der Cabin möglichst vorbildgerecht gestaltet werden. 12.09.2016

Das Untergestell nimmt langsam Farbe an. Das was mir im Vorfeld symbolisch starke Bauchschmerzen bereitete, war wider erwarten schnell montiert. Es dreht sich um das gelbe Feld mit den schwarzen Streifen.

Der nächste Schritt ist die Vervollständigung der Farbe am Untergestell und die farbliche Bearbeitung der Dreh-gestelle.

13.09.2016

Das Untergestell, inklusive Drehgestelle, ist schon mal fertig! Obwohl ich schon andere Loks und einige Wagen gebaut hatte, habe ich mich beim Zeitaufwand gehörig verschätzt! 14.09.2016

Es wurde wieder etwas geschafft, mehr zwischendurch und so am Rande:

Bild links zeigt, dass alle grau gespritzten Flächen abgedeckt wurden, um dann Blau zu spritzen. In der Mitte wird die Central Unit, die Steuerung und Bedienung des Gefährts entworfen. Dazu dient ein Kartonmodell, die Korrekturen werden gleich in der zu erstellenden Mass-Skizze einfliessen. Bild rechts zeigt eine Herausforderung, die eigentlich gar nicht so arg sein muss. Aber die Farbe GELB ist so'n Ding - entweder sie deckt nicht, oder sie läuft. 

Heute war für sieben Stunden (!) Stromausfall. Alle Lötarbeiten und Dinge, die am Haus gemacht werden sollten, sind vertagt auf morgen!

So präsentiert sich die Lok im Moment. Das Bild ist entstanden, um den Zustand der Elektrik und Elektronik mit allen Einbauten fest zu halten.

Wie das aussieht, ist hier ersichtlich.

 

15.09.2016

Eine tolle Lok, ein stolzes Fahrzeug. Untergestell und Dach sind gespritzt, man wartet noch auf die Farbgebung des Lokkastens.

12.12.2016

Mehr als zwei (2!) Jahre sind nun vergangen, die Lok ist endlich gespritzt und erscheint in Kobaltblau. 

Die "Eingeweide", also den Führerstand der Lok, hab ich nicht mehr gefunden. Der wird wohl irgendwann entsorgt worden sein - nein, ich finde ihn nicht! Also muss das recht komplizierte Teil nochmals gebaut werden. Wie immer in solchen Fällen in Pappe, danach dann in ABS. Nachfolgend also etwas Bastelarbeit.

Der Feuerlöscher entstand aus dem Oberteil eines BIC-Kugfelschreibers. Der Feurlöscher wird am Schrank befestigt, so kommt er gleich neben die Eingangstür im Cockpit zu hängen. 06.02.2019

Und dies wäre dann der Fahrstand. Daneben die Ansicht vom Assistenten, mit dem schon bekannten Schrank. Der rote Brems- und der grüne Fahrhebel fehlen noch.

Als Nächstes wird in der Cabin die Beleuchtung eingebaut. Sie besteht aus den weissen Scheinwerfern, den roten Schlusslichtern und der Innenbeleuchtung. Der Einbau dieser Komponenten und aller anderen elektrischen und elektronischen Bauteile, wird in diesem Kapitel beschrieben. 07.02.2019

Die Cabin ist nun mit den Einbauten bestückt. Es geht relativ eng zu und her. Schlussendlich hatte alles seinen Platz. Die Bilder zeigen links die Seite des Assistant, in der Mitte die Frontansicht und rechts die Seite mit dem Driver. Alles noch ohne Verglasung. Das wird noch ein heikles Thema...  10.03.2019

Ein Stück dünnes Plexiglas hat für sechs Fenster gereicht. Mehr von diesem Material habe ich glücklicherweise in meiner Wundertüte aufgefunden, somit ist der Fenstereinbau in der Cabin rundum mit diesem leicht zu bearbeitenden Material möglich!

Der Einbau ist etwas knifflig, denn meine Wurstfinger sind nicht so beweglich in den kleinen Ausschnitten! Das Plexi wird zugeschnitten und mit der Feile bearbeitet, bis es passt. Dann fülle ich die Ränder mit klarer Fensterfarbe (die von Marabu bleibt dauerelastisch). Mit einem weichen Lappen wische ich die kristallklar trocknende Farbe gegen den Rahmen hin ab. Der Rest trocknet und verbindet. Auch lässt sich diese Farbe absolut rückstandsfrei entfernen, solange sie flüssig ist!

Die Knetmasse klebe ich auf die Scheibe, damit ich diese mit der Pinzette einsetzen und halten kann. Diese Klebemasse von Bostik oder Staedtler, lässt sich ebenfalls absolut rückstandsfrei ablösen.12.03.2019                         äöü

Die 612 durfte heute erstmals auf die Schienen um zu zeigen, ob alles in Ordnung ist. Leider nein: Das vordere Drehgestell ist zu straff am Chassis befestigt und neigt zum Aufsteigen auch in grosszügigen Kurven. Hier muss etwas mehr Spiel gewährt werden, die Lösung liegt vor. Ist einfach eine Fleissarbeit. Die nachfolgenden Bilder wurden mit nur lose zusammengesteckter Lok geschossen. Keine einzige Befestigungsschraube ist da verbaut! 

Jetzt muss noch die Beschriftung appliziert sowie die Handläufe montiert werden!  Zeitaufwendiger wird die Beseitigung der diversen kleinen Schäden wohl sein. Aber das gehört einfach dazu. 21.03.2019