Taurus für die RhB

Ein interessantes, spontan aufgernommenes Projekt war der weitergehende Umbau einer Taurus-Normalspurlok von PIKO in eine schmalspurige RhB-Maschine. Sie trägt nach Fertigstellung die wesentlichen Merkmale der Standards der RhB. In den Bestand gekommen ist diese Zugmaschine als Schnäppchen via das allgemein bekannte Versteigerungsportal im Internet. Warum nicht mal so was? Im Zuge der Neubeschaffungen von Rollmaterial könnte man ja so was mal auf Schmalspurgleisen antreffen...

Die Lok war schon etwas vorbereitet, jedoch rein mit entsprechender Besch-riftung - und nicht gerade hochstehend, doch ganz passabel und eben, man kann noch mehr tun!

Als Erstes habe ich mich der Pufferbohle angenommen. Durch Lösen zweier Schrauben konnte diese entfernt werden. Dann musste das Gehäuse vom Untergestell weg.

Nach dem Öffnen der Lokomotive traute ich meinen  Augen nicht! Um die eingebauten Gewichte herum war das Chassis ausgerissen, was wohl von einem  harten Sturz von der Tischkante oder so, herrühren wird. Versteckter Mangel? Nun, man kann beinahe alles reparieren. Dies konnte man, der bleibende Netto-Schaden wird sich im 0,5mm-Bereich bewegen.

Nachdem der erste Schreck verdaut und die Risse im Untergestell geklebt waren, nahm ich mir die Fronten vor. Da ich mir die Fummelei mit Bremsoel zur Entfernung der Tamponschrift und der weissen Flächen ersparen wollte, beklebte ich die Partien mit wetterfester Vinylfolie. Die Farbe passt verblüffend genau, nur glänzen tut es jetzt ein wenig. Die Folie lässt sich sehr gut mit dem Cutter einschneiden und zur Montage der Haltestange sowie der Scheibenwischer  an den richtigen Stellen leicht eindrücken.

Die Bündner-Wappen habe ich mir auf dem Printer ab Originalen ausgedruckt. Die bekommen dann noch eine Lage farblose Folie verpasst, dass sie halten mögen…

Die an der Seite angebrachten - nach meinem Geschmack etwas 'verunglückten' - "Wappen", habe ich durch korrekte Wiedergaben und entsprechender Beschriftung ersetzt.

Sorry Fachleute! Die  Loknummer habe ich passend zu meinem eigenen Nummernschema gewählt - ich weiss, dass diese Nummer in Wirklichkeit durch ein "Krokodil" besetzt ist!

Sieht doch schon mal vielversprechend aus!

Als Nächstes musste der Unterbau für die Kupplungsaufnahme, Befestigung des Schienenräumers und Verschluss der Front konstruiert und gebaut werden. Genügend PVC-Material war vorhanden und so konnte dies relativ schnell erledigt werden. Als Verbindungsmedium habe ich Zyanidklebstoff und Quarzstaub verwendet.

Jetzt kam das Untergestell dran mit der Farbveränderung. Gemäss neuem Farbschema (Allegra, Albulazug) wurde die Schürze dunkelrot abgeklebt. Ich habe mir damit auch schon mal die Fummelei zur Beseitigung der Anschriften gespart. Danach durfte der Silberstreifen geschnitten und appliziert werden.

Vor dem Zusammenschrauben noch etwas Technik: In der Lok ist ein Decoder (Massoth) verbaut. Ich fahre zwar analog, aber es funktioniert. Ein grosser Kondensator ist ebenfalls da, überbrückt kurze Stromunterbrüche und verleiht der Lok rund 30 cm Auslauf (elektro-nische Schwungmasse). Der grosse Zylinder ist ein Zusatzgewicht. Eine Blechdose mit allerlei Bronze- und Stahlabfällen, die sich so in den Jahren angesammelt haben, kon-ten so zweckdienlich verwertet werden! Das Zusatzgewicht wiegt 1050 Gramm. Das Gesamtgewicht der Lok konnte ich (noch) nicht ermitteln. Nur mal so viel: Sie ist schwerer als 5200 Gramm - so weit konnte ich mit meiner elektronischen Küchenwaage messen!

Es musste noch das Finish her, mit den Leitungen an der Front. Also machte ich mich mal wieder auf, zur Materialbeschaffung. Beim Elektriker konnte ich isolierten Draht bekommen. Einige kleine Messingteile und etwas Kunststoff und schon war das Kunststück fertig. Die Lok hat nun Schmalspurcharakter und ist für mich stimmig! Ich habe Fertig!

 

Nachträglich habe ich Kopien aus einer Fachzeitschrift erhalten, in der ein ähnliches Projekt beschrieben ist. Rein äusserlich bin ich weiter gegangen, aber die Spezialisten verwendeten viel mehr Energie in der Elektronik und technischer Ausrüstung, die ich als Analogfahrer nicht gebrauchen kann. Mittlerweile habe ich auch von weiteren Projekten in dieser Richtung erfahren. Jedem, was ihm gefällt! Ich bin froh, dass ich nicht der einzige „Spinner“ bin.

Nach der Fertigstellung, so hatte ich gedacht, sei nichts mehr anzufügen. Doch irgendwie störten mich die breiten Mittelstege der Pantografen. So gar nicht schmalspurig kamen sie daher. Deshalb habe ich sie einfach mal beschnitten, umgeklebt und einen Steg eingebaut. Dann war‘s fürs Auge besser!

 

Was fürs Auge gut ist, muss nicht für die Betriebssicherheit gelten. Die umgebauten Pantos waren jedenfalls Spyware. So ersetzte ich sie durch modellmässige Sommerfeldt-Pantografen.

Fertiggestellt am 29.03.2011 mit Nachträgen vom 30.03.2011 und 19.05.2011