Badewetter

 

Vorgesehen war etwas ganz anderes, der Tag sollte klar strukturiert sein. Das war er zu Beginn auch, jedoch es kam dann wie es kommen musste. Schon am Vortag machte der Wind alles Vorgenommene zunichte. Da setzte ein kleiner Sturm schon am späten Vormittag ein, steigerte sich bis zum späten Abend, um dann unvermittelt abzubrechen.

Heute machte ich mich früh an die Arbeit. Alle Gerätschaften wurden bereit gestellt und als die ersten Früh-Jogger vorbei huschten, kramte ich schon im Sandhaufen vor meinem Gate und sonderte Hunde- wie Katzendreck aus, entfernte die eingewachsenen Kikuju-Lianen und Wurzeln. Eine volle Schubkarre erntete ich so. Zement war auch bereit und die Steine nach und nach. Dann hatte ich Lust auf Frühstück.

Ich hatte gut getan, in der Morgenfrische mit der Arbeit, der Sonne ausgesetzt, zu beginnen. Es war schon recht warm, als der Mörtel gemischt war. Der Arbeitsbereich befand sich noch schön im Schatten. Zwei Meter lang war meine Baustelle. Ich rechnete aus, dass der Schatten so lange anhalten würde, wie ich brauchte die Steine in die richtige Lage zu verbauen.

Ich beeilte mich, wollte ich doch vor Eintreffen des Winds noch zum Strand, ein kühles Bad in der Salzwasserbadewanne, sprich Melkbaai, zu nehmen.

Die Schubkarre war leer, der Vorrat an bereitgelegten Steinen war aufgebraucht. Ich hatte gut kalkuliert. Schatten herrschte immer noch im Arbeitsbereich. Nun mussten nur noch die Gerätschaften gereinigt werden. Eineinhalb Stunden war ich nun eher dran als am Vortag.

Ich streckte mich, nachdem die Gerätschaften allesamt in Garage und Schopf verstaut waren. Da – der erste Windstoss. Eine kleine Böe nur, aber untrüglich ein Windstoss. Ich war zu spät. Zu spät um an den Strand zu fahren. Denn wenn bei mir jetzt schon der Wind durch die Bäume pfiff, war er um so heftiger an der Küste.

Ich musste mich mit einer Dusche zufrieden geben und legte mich etwas zur Ruhe, enttäuscht. Der Wind frischte auf und entwickelte sich bis zum Mittag in das alltägliche Sturmgebilde.

Den ganzen Januar über verhielt sich das nun so. War mal Windstille, dann war sicher der Himmel bedeckt und eine Kaltfront überquerte das Kap. Hochsommer und kein Badewetter!

 

Irgendwann im Januar, ev. 2005