Ich kämpfe und trotze

 

Der Frühling hält Einzug in Südafrika, die Wale singen in der Bucht draussen. Wetter herrscht wie in Europa im April. Die Stürme ziehen übers Land, ich trotze ihnen. Es muss alles festgezurrt werden, niet- und nagelfest. Gelingt nicht immer, der Liegestuhl steht, liegt in offenem oder gefaltetem Zustand stets irgendwo anders. Der muss halt wieder hinein in die Abstellkammer.

Ich kämpfe gegen die Natur. War es die vergangenen Jahre das wilde Hafergras, so ist es nun die kleine distelähnliche Wucherpflanze mit den gelben Blüten. Diese, erst einmal trocken und dürr, verbreiten ihre Tausendschaft an Samen mit dem Wind. Also stets am Ball bleiben bzw. am Stängel. Hand angelegt und raus aus dem Erdreich – möglichst mit Wurzel natürlich. Eine Sysiphus-Arbeit ohne Gleichen. Irgendwann muss der Rasenmäher einen Teil des Problems lösen helfen. Wenn, ja wenn ich den durch den „Rasen“ stossen kann. Denn da versperren Unebenheiten in Form von Erdhügel den Weg.

Ich kämpfe auch gegen Maulwürfe. Es müssen jetzt drei solcher augenlosen Kerlchen sein, die stossen und graben. Im ganzen Rasen, hinten und vorne. Vielleicht sind es auch mehr, aber man sieht ja nur jeweils am Morgen das Resultat unterirdischer Nachtarbeit.

Ich trotze auch den sturen Tauben. Schon das dritte Mal will so ein blödes Biest in meinem Baum am Patio ein Nest bauen. Tut es auch, denn es hängt zu hoch, dass ich es erreichen könnte. Nur durch immer wiederholtes Gestocher mit einem langen Stock, unterbricht die Brüterei. Aber ich bin nicht so ausdauernd auf der Leiter. Solange die Eier ganz bleiben, habe ich keine Chance und das Vieh legt offensichtlich einfach nach!

Ich trotze dem Staat – oder kämpfe ich? Endlich habe ich die Drivers Licence erhalten. War ein langer Lauf: insgesamt sechs Mal Verkehrsamt Gordons Bay und einmal gar Provinz-Verkehrsamt Kapstadt. Kosten der Karte mit Bildchen und Fingerabdruck R110, etwa 15 Franken. Vorbereitungen wie Übersetzungen, Papierbeschaffung und Fahrten, etwa R1500, also rund 215 Franken. Ist halt Afrika… Jetzt warte ich noch auf mein Identitäts-Dokument, das ID-Book.

Ich trotze meiner Gicht. Noch dauert es bis zum nächsten Termin beim Professor, doch ich habe mir den Nachschub an Medikamenten gesichert. Auch Schmerzmittel brauche ich vermehrt, gar recht starke. Die Finger folgen meinem Kopfe nicht im gewünschten Masse. Die Gartenarbeit läuft auf Sparflamme, aber immerhin, sie läuft. Sonst bin ich, sonst fühle ich mich recht fit. Und auf der Laptoptastatur herumhacken geht auch!

 

Verfasst im Oktober 2010