Le Petit Train d'Artouste

Die kleine Bahn befindet sich in den französischen Pyrenäen, südlich der Stadt Pau (Linie Toulouse – Lourdes – Pau – Bayonne). Der Ort Fabrèges (1250 mNN) ist nur mit dem Auto nach etwa einer Stunde Fahrzeit zu erreichen. Nach zehn Minuten Fahrt in der Kabinenbahn (so man nicht eine Dreiviertelstunde hängen bleibt), erreicht man das Plateau La Sagette auf 1900 Metern Höhe. Stündlich verlässt ein Zug den Bahnhof hinter der Bergstation, um gleich im einzigen Tunnel zu verschwinden. Wetterabhängig voll oder weniger besetzt, zuckelt die Komposition auf 50 cm weiten Schienen durch die hochpyrenäische Landschaft. Imposant ist der Verlauf der Trasse, die an manchen Orten in engen Kurven einen Felsvorsprung umfährt. Jedes Mal eröffnet sich ein anderer Ausblick auf die umgebenden Berggipfel um 2400 Meter Höhe. Die meist sechs angehängten Wagen hinter einer Billard-Diesellokomotive, befördern jeweils maximal 72 Passagiere. Die Rückfahrt ist bereits auf dem Hinfahrtsticket angegeben, damit sich die Leute am Lac d’Artouste kanalisieren lassen. Nach rund 10 Kilometer Fahrt, scharf beobachtet von den gar nicht scheuen Murmeltieren, erreicht man den Endbahnhof.

Hinter dem Bahnhof, der neben der erforderlichen Gleisanlage auch touristische Einrichtungen (Souvenirs, Restaurant) beherbergt, dehnt sich noch eine versteckte Gleisanlage aus, die auch heute noch dem Unterhalt des Stauwehrs sowie der unterirdischen Kraftwerkszentrale dient.

Die Compagnie de chemin der fer du Midi beschloss anno 1920, an kleinen Bergsee namens lac d’Artouste, mit einem 27 Meter hohen Staudamm zu bauen. Man brauchte für das sich ausdehnende Eisenbahnnetz mehr Strom. Erst wurde die Luftseilbahn von Fabrèges bis La Sagette gebaut. Danach wurde im beschwerlichen Gelände ein Saumweg zum Lac d‘Artouste geschlagen. Um den Transport der benötigten Materialien zu erleichtern, errichtete man von 1921 bis 1924 die heute noch bestehende Bahntrasse. 1929 wurden mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes die Arbeiten abgeschlossen und die Bahn abgebaut. Nur kurze Zeit später wurde die Bahn zur Erleichterung der Unterhaltsarbeiten wieder aufgebaut. Der aufkeimende Tourismus bewirkte dann in findigen Köpfen die Nutzung ab 1932 als Touristenbahn. 1938 wurde die Bahn im Zuge der Gründung der SNCF verstaatlicht. In der 40ern des vergangenen Jahrhunderts wurde die Staumauer auf 85 Meter erhöht, wobei wiederum die kleine Bahn zum Einsatz kam, was ihr ein Weiterbestehen ermöglichte. 1957 wurde die alte Luftseilbahn erneuert und baggerte Touristen bis sie 1984 abgebrochen und als sehr leistungsfähige Kabinen-Umlaufbahn wieder aufgebaut wurde. Der Tourismus steigt stark an, was 1963 die Beschaffung von weiteren Dieselloks für die Touristenbahn erforderte. Heute besitzt die Bahn neben mindestens einer historischen Renault-Lokomotive 13 Loks der Bauart Baillard. Ebenfalls wurden 1963 die heute noch im Einsatz stehenden Anhänger beschafft. Ein sehr einfaches wie geniales System erlaubt es den Passagieren, immer in Fahrtrichtung zu sitzen.

Le Petit Train d’Artouste wird als höchste Eisenbahn Europas angekündigt (Le train le plus haut d‘Europe!) – was sie natürlich nicht ist! Aber immerhin ist es die höchste 50cm-Touristenbahn in Europa. Sie liegt rund 150 Meter höher als die uns bekannte Emosson-Bahn, die auf einer Spurweite von 60 cm verkehrt. Auf dieses kleine Detail beschränkt, stimmt die etwas grossspurig angekündigte Superlative dann wieder…

Der Ausflug ist von vielen positiven Eindrücken umgeben. Das Erlebnis hat sich gelohnt!

 

Quellen: Reisebroschüre von Michael Schmocker, www.train-artouste.com