Texte aus Südafrika

Badewetter

Vorgesehen war etwas ganz anderes, der Tag sollte klar strukturiert sein. Das war er zu Beginn auch, jedoch es kam dann wie es kommen musste. Schon am Vortag machte der Wind alles Vorgenommene zunichte. Da setzte ein kleiner Sturm schon am späten Vormittag ein, steigerte sich bis zum späten Abend, um dann unvermittelt abzubrechen.

Heute machte ich mich früh an die Arbeit. Alle Gerätschaften wurden bereit gestellt und als die ersten Früh-Jogger vorbei huschten, kramte ich schon im Sandhaufen vor meinem Gate und sonderte Hunde- wie Katzendreck aus, entfernte die eingewachsenen Kikuju-Lianen und Wurzeln. Eine volle Schubkarre erntete ich so. Zement war auch bereit und die Steine nach und nach. Dann hatte ich Lust auf Frühstück.

Ich hatte gut getan, in der Morgenfrische mit der Arbeit, der Sonne ausgesetzt, zu beginnen. Es war schon recht warm, als der Mörtel gemischt war. Der Arbeitsbereich befand sich noch schön im Schatten. Zwei Meter lang war meine Baustelle. Ich rechnete aus, dass der Schatten so lange anhalten würde, wie ich brauchte die Steine in die richtige Lage zu verbauen.

Ich beeilte mich, wollte ich doch vor Eintreffen des Winds noch zum Strand, ein kühles Bad in der Salzwasserbadewanne, sprich Melkbaai, zu nehmen.

Die Schubkarre war leer, der Vorrat an bereitgelegten Steinen war aufgebraucht. Ich hatte gut kalkuliert. Schatten herrschte immer noch im Arbeitsbereich. Nun mussten nur noch die Gerätschaften gereinigt werden. Eineinhalb Stunden war ich nun eher dran als am Vortag.

Ich streckte mich, nachdem die Gerätschaften allesamt in Garage und Schopf verstaut waren. Da – der erste Windstoss. Eine kleine Böe nur, aber untrüglich ein Windstoss. Ich war zu spät. Zu spät um an den Strand zu fahren. Denn wenn bei mir jetzt schon der Wind durch die Bäume pfiff, war er um so heftiger an der Küste.

Ich musste mich mit einer Dusche zufrieden geben und legte mich etwas zur Ruhe, enttäuscht. Der Wind frischte auf und entwickelte sich bis zum Mittag in das alltägliche Sturmgebilde.

Den ganzen Januar über verhielt sich das nun so. War mal Windstille, dann war sicher der Himmel bedeckt und eine Kaltfront überquerte das Kap. Hochsommer und kein Badewetter!

Cape Mouli
Cape Mouli

Oktober 2010

Ich kämpfe und trotze

Der Frühling hält Einzug in Südafrika, die Wale singen in der Bucht draussen. Wetter herrscht wie in Europa im April. Die Stürme ziehen übers Land, ich trotze ihnen. Es muss alles festgezurrt werden, niet- und nagelfest. Gelingt nicht immer, der Liegestuhl steht, liegt in offenem oder gefaltetem Zustand stets irgendwo anders. Der muss halt wieder hinein in die Abstellkammer.

Ich kämpfe gegen die Natur. War es die vergangenen Jahre das wilde Hafergras, so ist es nun die kleine distelähnliche Wucherpflanze mit den gelben Blüten. Diese, erst einmal trocken und dürr, verbreiten ihre Tausendschaft an Samen mit dem Wind. Also stets am Ball bleiben bzw. am Stängel. Hand angelegt und raus aus dem Erdreich – möglichst mit Wurzel natürlich. Eine Sysiphus-Arbeit ohne Gleichen. Irgendwann muss der Rasenmäher einen Teil des Problems lösen helfen. Wenn, ja wenn ich den durch den „Rasen“ stossen kann. Denn da versperren Unebenheiten in Form von Erdhügel den Weg.

Ich kämpfe auch gegen Maulwürfe (siehe Bild). Es müssen jetzt drei solcher augenlosen Kerlchen sein, die stossen und graben. Im ganzen Rasen, hinten und vorne. Vielleicht sind es auch mehr, aber man sieht ja nur jeweils am Morgen das Resultat unterirdischer Nachtarbeit.

Ich trotze auch den sturen Tauben. Schon das dritte Mal will so ein blödes Biest in meinem Baum am Patio ein Nest bauen. Tut es auch, denn es hängt zu hoch, dass ich es erreichen könnte. Nur durch immer wiederholtes Gestocher mit einem langen Stock, unterbricht die Brüterei. Aber ich bin nicht so ausdauernd auf der Leiter. Solange die Eier ganz bleiben, habe ich keine Chance und das Vieh legt offensichtlich einfach nach!

Ich trotze dem Staat – oder kämpfe ich? Endlich habe ich die Drivers Licence erhalten. War ein langer Lauf: insgesamt sechs Mal Verkehrsamt Gordons Bay und einmal gar Provinz-Verkehrsamt Kapstadt. Kosten der Karte mit Bildchen und Fingerabdruck R110, etwa 15 Franken. Vorbereitungen wie Übersetzungen, Papierbeschaffung und Fahrten, etwa R1500, also rund 215 Franken. Ist halt Afrika… Jetzt warte ich noch auf mein Identitäts-Dokument, das ID-Book.

Ich trotze meiner Gicht. Noch dauert es bis zum nächsten Termin beim Professor, doch ich habe mir den Nachschub an Medikamenten gesichert. Auch Schmerzmittel brauche ich vermehrt, gar recht starke. Die Finger folgen meinem Kopfe nicht im gewünschten Masse. Die Gartenarbeit läuft auf Sparflamme, aber immerhin, sie läuft. Sonst bin ich, sonst fühle ich mich recht fit. Und auf der Laptoptastatur herumhacken geht auch!

Chief Floorsweeper

Habe Koos Bosmann kennen gelernt. Älterer Herr, mager, Hut auf dem Kopf. Der arbeitet im Sooks, einem kleinen Restaurant in Kleinmond. Eine Fressstube mit netter Atmosphäre. Der Koos hat mich bedient und der hat eine Businesscard. Jawoll, eine echte! Da steht Telefon drauf und Fax und natürlich Cellphone. Zuunterst dann noch die e-Mailadresse und die Homepage. So richtig Business. Gestylt und zweifarbig bedruckt. Echt cool. Lachen musste ich, als ich die Berufs- bzw. Funktions-Beschreibung sah. Steht da: „Chief Floorsweeper and Bottlewasher“. Solls auch geben…

 

 

Letzte Version vom 28.04.2011