Technische Daten und Streckenbeschreibungen zur BFS- Sommerreise 2019

Sämtliche Angaben und Texte stammen aus der Begleitbroschüre zum Anlass von Michael Schmocker, die ich mit seinem Einverständnis hier veröffentliche.  

London Underground

Mit der Eröffnung nder Metropolitan Linie am 10. Januar 1863 legte man in London den Grundstein fur das heutige, aus elf Linien bestehende U-Bahnnetz, welches zu den grössten der Welt gehört. Mit Sicherheit hat man sich damals nicht gerräumt, dass man mit dem Wort 'Metro' zugleich den Begriff für viele Nahverkehrssysteme weltweit schaffen würde, als man den ersten, lediglich viel Kilometer langen Abschnitt in Betrieb nahm, der den Bahnhof Paddington mit Farringdon verband.

Das Netz wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jh schnell an. Geich mehrere Gesellschaften warben in einem teilweise erbitterten Machtkampf um die Gunst der Fahrgäste. Ein grosser Meilenstein folgte 1890 mit der Eröffnung des ersten Teilstücks der City & South London Railway, welche im Gegensatz zu den bis dahin gebauten, lediglich in einfacher Tieflage unter den Strassen verlaufende Strecken in Tunneln tief im Untergrund verkehrt. Sie verkehrte zudem im Gegensatz zu den früher gebauten, heute als Sub Surface-Lines bezeichnete Strecken von Anfang an elektrisch und prägte aufgrund ihrer röhrenförmigen Tunnel die Bezeichnung Tube. Für die Stromzufuhr wählte man ein System mit zwei Stromschienen, wobei in der seitlichen Schiene 420 Volt, in der mittigen Schiene minus 210 Volt fliessen, wodurch sich eine Spannung von 630 Volt ergibt. Auf Abschnitten die sich die Tube mit dem nationalen Bahnverkehr teilt, fliessen die gesamten 630 Volt in der seitlichen Schiene, wahrend die mittige Schiene dort als Nulleiter fur die Tubezüge fungiert.

Technische Daten:

Streckenlänge                            402 Kilometer

Spurweite                                   1435 mm

Stromsystem                              Stromschienen 630 V=

Maximale Tiefe                           59 Meter, Station Hampstead

Tunnelstrecken Gesamtnetz      45%

Durchschnittsgeschwindigkeit    33 km/h

Reisende pro Tag                       ca. 5 Millionen

 

Epping - Ongar Railway

Bereits im Jahre 1856 eröffnete die Eastern Counties Railway (ECR) eine Bahnstrecke von Stratford nach Loughton. Die Verlängerung über Epping nach Ongar wurde neun Jahre später bereits von der Great Eastern Railway eröffnet, in welcher die ECR 1862 aufgegangen war. Aufgrund stetig steigender Passagierzahlen baute man den Abschnitt bis Epping ab 1860 doppelspurig aus. Der weitere, weniger stark nachgefragte Teil bis Ongar verblieb hingegen als eingleisige Strecke.

Über mehrere Betriebsübernahmen gelangte die Strecke 1948 in die Hand der damals neu gegründeten British Railways (BR), welche sie jedoch bereits im Folgejahr durch den fortschreitenden Ausbau der Central Line an London Underground abgab. Allerdings konnten  die Tube-Züge vorerst nur bis Epping verkehren, da das Reststück nach Ongar aus Kostengründen bis dahin nicht elektrifiziert worden war. Bis zur Elektrifizierung im Jahre 1957 verkehrte deshalb ein von der BR betriebener Dampfzug-Shuttle nach Ongar. Der Umstieg in Epping war jedoch auch danach noch nötig, da die Bahnsteige für die auf der restlichen Central Line eingesetzten Züge zu kurz waren und zudem die eher dürftige Stromversorgung auf den eingleisigen Abschnitt für den Betrieb von mehreren Zügen in der üblichen Standardformation nicht ausreichte.

Aufgrund sinkender Fahrgastzahlen gab es bereits 1980 erste Pläne zur Aufgabe des Betriebs über Epping hinaus.|Mitunter aufgrund der nötigen Verbindung zu einem damals geheimen Nuklear-Bunker in der Nähe von Ongar konnte sich der Betrieb bis 1994 halten. Zuletzt wurden zwischen Epping und  Ongar gerade mal 80 Fahrgäste pro Tag gezählt - ein Verlust von sieben Pfund pro Person resultierte daraus. 1998 wurde die stilleglegte Strecke  von der späteren Eppin - Ongar Railway gekauft und 2004 konnten erstmals  dieselbetriebene Museumszüge verkehren. Der Zustand der Infrastruktur war jedoch in einem erbärmlichen Zustand, sodass man sich entschloss, den Betrieb ruhen zu lassen um eine gründliche Erneuerung durchzuführen. Fünf Jahre später konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Durch neu gebaute Gleisanlagen mit Umfahrmöglichkeiten im Bahnhöfen nun auch wieder mit Dampfbetrieb. Lassen sich die weiteren Zukunftspläne umsetzen, so besteht schon bald wieder ein Anschluss in Epping. Derzeit enden die Museumsfahrten noch ohne Ausstiegsmöglichkeit mitten im Wald  kurz vor dem dortigen Tube-Bahnhof an einer Gleissperre.

Technische Daten:

 

Streckenlänge                                                           10,5 km

Spurweite                                                                  1435 mm

Ehemaliges Stromsystem                                          630 Volt

Bahnhöfe Museumsbahn                                           2   (ursprünglich 4)

Anzahl Dampfloks                                                      6  (3 betriebfähig)

Anzahl Dieselloks                                                       9  (4 betriebsfähig)

Anzahl Diesel-Triebwage                                           3  (2 beriebsfähig)

Anzahl elektrische Triebwagen                                  1  (rollfähig)

Anzahl Personenwagen                                             16  (8 betriebsfähig)

 

Eröffnung durch Great Eastern Railway                      24. April 1865

Übernahme durch London Underground                     25. September 1949

Elektrifizierung                                                            18. November 1957

Stilllegung Güterverkehr                                             18. April 1966

Stilllegung Personenverkehr                                       10.September 1994

Kauf durch Epping - Ongar Railway                            1988

Eröffnung Museumsbetrieb                                         10. Oktober 2004 und nach Sanierung 25. Mai 2012

SPA Valley Railway

Als Mitte des 19. Jh verschiedene Bahnlinien aus der Gegend von London Richtung Süden fertiggestellt wurden, blieb die Marktgemeinde East Grinstead bei allen Planungen aussen vor. Um auch einen Anschluss ans Nationale Eisnebahnnetz zu erhalten, zog man verschiedene Varianten in Betracht, jedoch favorisierte man eine Anbindung im westlich des Ortes gelegenen Three Bridges, durch welches die Bahnstrecke von London nach Brighton seit 1841 fuehrte.Im November 1853 begannen die Bauarbeiten und bereits eineinhalb Jahre später konnte der planmässige Verkehr aufgenommen werden., Die bereits von Anfang an ins Auge gefasste Verlängerung nach Hastings liess hingegen noch bis zum Oktober 1866 auf sich warten.

Der ab den 50er-Jahren stark zunehmende Strassenverkerhr sorgte zusammen mit dem erneuerungsbedürftigen Rollmaterial zunehmend für zurückgehende Passagierzahlen. Der Beeching Report, ein vom damals selbst in East Grinstead wohnenden Direktor von British Railways initiiertes Sparprogramm, welches vielen Einsbahnlinien im Land die Existenz kostete, führte 1967 zur  Stilllegung des Abschnitts zwischen Three Brides und Groombridge. Als 1985 die Schliessung des Depots Turnbridge Wells, welches die Fahrzeuge mehrere Linien im Umkreis beheimatete und das Reststück füÜberführungsfahrten benötigte, absehbar wurde, folgte auch die Stillegung der verbliebenen Strecke.

Noch im gleichen Jahre formierte sich jedoch eine Vereinigung, welche baebsichtigte die Strecke zwischen Turmbridge Wells West und Birchden Junction, der Einmündung kurz vor dem an der Strecke nach Uckfield gelegenen  Bahnhof Eridge, käuflich zu erwerben und als Museumsbahn zu betreiben. 1996 konnte der Kauf nach einigen Schwierigkeitren vollzogen werden und zum Ende des Jahres ein erster, gut ein Kilometer langer Abschnitt als Spa Vellet Railway, wiedereröffnet werden. Ein Jahr später wurde der Museumsbetrieb bis zum Bahnhof Groombridge ausgeweitet. 2011 erreichte man schliessich mit der Instandsetzung eines stillgelegten Bahnsteigs in Eridge den heutigen Endpunkt, welcher auch wieder Anschluss an das restliche Eisenabahnnetz bietet.Hingegen war bereits früh klar, dass die Museumsbahn auf die Anbindung auf Thunbridge Wells wird verzichten müssen. Dort war die Fläche auf der ehemaligen Trasse bereits kurz nach der Einstellung des Betriebs an eine grosse Supermarktkette abgegeben worden. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude blieb erhalten, war jedoch aufgrund des überbauten Gleisfeldes nicht mehr nutzbar. Die Spa Valley Railway hat daher ihren Ausgangspunkt an neuen Gleisen direkt neben der originalen Depothalle aus dem Jahr 1891, in welcher die Museumsfahrzeuge durch die Vereinsmitglieder gewartet und aufgearbeitet werden.

Technische Daten:

 

Streckenlänge Museumsbahn                                    8,9 Kilometer         

Spurweite                                                                   1435 Millimeter

Anzahl Bahnhöfe Museumsbahn                               4

Anzahl Dampfloks                                                     7 (1 betriebsfähig)

Anzahl Dieselloks                                                      8 (5 betriebsfähig)

Anzagl Dieseltriebwagen                                           3 (2 betriebsfähig)

Anzahl Personenwagen                                             9 (6 betriebsfähig)

Eröffnung erste Etappe                                             August 1997

Eröffnung ganze Strecke Museumsbahn                 25. März 2011

Bluebell Railway

Am 17. Mai 1960 nahm die Bluebell Railway, benannt nach den blauen Glockenblumen die entlang der Strecke  zahlreich zu finden sind, als erste dampfbetriebene Museumsbahn im Vereinigten Königreich (UK) ihren Betrieb auf. Etwas mehr als zwei Jahre zuvor war der planmässige Verkehr auf der Strecke aufgrund schlechter Rentabilitat definitiv stillgelegt worden. Bereits zwischen 1955 und 1956 hatte er kurzzeitig geruht, musste jedoch aufgrund gesetzlicher Betriebspflicht wieder aufgenommen werden, bis das entsprechende Gesetz durch die Regierung angepasst worden war. Schnell fand sich daraufhin eine Gruppe Eisenbahnfreunde, welche sich dem Erhalt der ursprünglich 1882 eröffneten Linie annahm. Die ersten Museumszüge hatten ihre ihren Ausgangspunkt im Bahnhof Sheffield Park, wo sich heute die weitläufigen Depotanlagen befinden. Die Fahrt endete kurz vor dem Bahnhof  Horsted Keynes an einem Behelfsbahnsteig. Ab 1962 dann im eigentlichen Bahnhof, wo Anschluss an die Züege von British Railways uber die Stichstichstrecke nach Haywards Heat, gelegen an der bis heute viel befahrenen, als Brighton Mainline bezeichnete Bahnstrecke London - Brighton, bestand.

Als 1963 aber auch dort der Verkehr eingestellt wurde, bedeutete dies für die Bluebell Raiway eine Trennung vom restlichen britischen Eisenbahnnetz. Die südliche Weiterfuhrung ab Sheffield Park nach Lewes war bereits zuvor teilweise überbaut worden. Im Norden diente seit der Stilllegung ein Gleiseinschnitt bei East Grinstead als Hausmüll-deponie. Die In itianten liessen sich davon aber nicht bremsen und setzten sich fortlaufend fur eine Verlängerung der Museumsstrecke ein. Es sollte allerdings uber 30 Jahre dauern bis die Züge erstmals wieder weiter bis nach Kingscote verkehren konnten. Um wieder einen Anschluss an das nationale Gleisnetz herzustellen, bemühte man sich in der Folge um die Beseitigung der Mülldeponie. Über 90 000 Tonnen Müll wurden in muhsamer Arbeit auf andere Deponien umgelagert und die Bahntrasse wieder hergestellt. Im Jahr 2013 konnte schliesslich die letzte zwei Kilometer lange Lücke bis East Grinstead nach uber 50 Jahren endlich wieder geschlossen werden.

Mit ihrer umfangreichen Fahrzeugsammlung - nach dem nationalen Eisenbahnmuseum in York ist es die zweitgrösste in UK - stellt die Bluebell Railway einen Besuchermagneten in der Region dar. Für die Zukunft plant man eine Wiederinbe-triebnahme der seit 1967 bis zur Zwischenstation Ardingly ebenfalls der Museumsbahn gehörenden Zweigstrecke nach Haywards Heath. Hierfür sind allerdings zuerst der teure Neubau zweier Brücken  sowie die Sanierung eines 199 Meter langen Tunnels notwendig.

Technische Daten:

 

Streckenlänge                                                                                 17,7 Kilometer

Spurweite                                                                                        1435 Millimeter

Anzahl Brücken (in Betrieb)                                                            3 (längste 210 Meter)

Anzahl Tunnels (in Betrieb)                                                             1 (Länge 668 Meter)

Anzahl Dampfloks                                                                           31 (6 betriebsfähig)

Anzahl Dieselloks                                                                            3 (alle betriebsfähig)

Eröffnung Ursprungsstrecke                                                            12. August 1882

Endgultige Stillegung                                                                       17. März 1958

Wiederaufnahme des Betriebs als Museumsbahn                          17. Mai 1960

Eröffnung der jetzigen Streckenlänge                                              23. März 2013

Romney, Hythe & Dymchurch Railway

Als privates Projekt zweier als Rennfahrer tätiger Millionäre entstand in den 1920er-Jahren der Plan fur den Bau einer für den öffentlichen Verkehr bestimmten Liliputbahn. Noch während der Suche nach einem geeigneten Ort verstarb einer der beiden Initianten bei einem Rennunfall. Statdessen stiess ein gewisser Henry Greenley, seines Zeichens Erbauer von Liliputlokomotiven, dazu und schlug das Supfgebiet entlang der Küste südlich von Hythe nach Newe Romney als ideale Region vor. Nach einjähriger Bauzeit wurde am 16. Juli 1927 die etwas mehr als 13 Kilometer lange, durchgehend doppelspurige Strecke von Hythe nach Newe Romney feierlich eröffnet. Damit sollte jedoch noch nicht genug sein. Noch vor der Eröffnung plante man bereits an der Verlängerung weiter Richtung Süden bis Dungeness und so dauerte es weniger als ein Jahr bis weitere acht Kilometer Strecke bis zum damaligen Bahnhof Pilot Inn, kurz vor dem geplanten Endpunkt in Betrieb genommen werden konnten. Noch fehlte die Wendeschlaufe mit dem Bahnhof Dungeness, welche im August 1928 ebenfalls fertiggestellt war. Nun hatte die Bahn ihre gesamte geplante Länge von fast 22 Kilometern erreicht und wurde sowohl von der lokalen Bevölkerung als auch von Besuchern gut aufgenommen.

Ein herber Rückschlag folgte mit dem Ausbruch des 2. WK. Der Planbetrieb wurde eingestellt, die Bahn im Jahre 1940 aus taktischen Gründen vom Militäübernommen. Bereits seit 1929 verfügte dieses südlich von Greatstone uber einen Seitenast zu einer geheimen Abhörstation und eine eigene, in Hythe stationierte Lok für Personaltransporte. Zusätzlich kam während der Kriegsjahre ein gepanzerter Zug zum Einsatz, für welchen man eine Dampflok entsprechend umgebaut hatte. Nach dem Ende des Krieges wurde der Fahrplanverkehr bald wieder aufgenommen. Zwische Hythe und New Romney verkehrten schon ab 1946 wieder Züge. Der weitere Streckenteil nach Dungeness wurde ab März 1947 wieder befahren, allerdings nur noch einspurig, da das zweite Gleis während dem Krieg stark beschädigt worden war.

Ab 1977 gab es zusätzliche Schülerzüge, welche mitunter eigens dafür geschaffene Haltestellen bedienten. Dieser Sonderverkehr, vorwiegend geführt mit den beiden Dieselloks, wurde erst im Sommer 2015 eingestellt als die Nachfrage den Kosten nicht mehr gerecht wurde. Es waren zuletzt die einzigen Züge die ganzjährig verkehrten. Seither dient die Bahn hauptsächlich dem Tourismus. Ein 1967 gegründeter Verein, dem auch ein grosser Teil der Gesellschaft gehört, unterstützt den Betrieb finanziell und mit friwilligen Arbeitseinsätzen.

Technische Daten:

 

Streckenlänge                                                                          21,7 Kilometer

Spurweite                                                                                 381 Millimeter (15 Zoll)

Höchstgeschwindigkeit                                                            40 km/h

Anzahl Bahnhöfe in Betrieb                                                     7

Anzahl Dampfloks                                                                   11 (7 betriebsfähig)

Anzahl Streckendieselloks                                                       2 (1 betriebsfähig)

Anzahl Rangierdiesel                                                              3

Fahrgäste pro Jahr                                                                 ca. 100 000

 

Betrieb von Schulerzügen                                                      1977 - 2015

Marston Vale Line

Die heutige Bahnstrecke zwischen Bedford und Bletchly, vermarktet als Marston Vale Line, ist das Uberbleibsel und gleichzeitig der älteste Teil einer einst von Oxford nach Cambridge führenden, als Varsity Line bezeichneten Eisenbahn-verbindung. Eröffnet in mehreren Teilstücken zwischen 1846 und 1862 hatte die Strecke anfänglich hauptsächlich lokale Bedeutung. Durchgehende Züge, die über die gesamte Länge verkehrten, gab es hingegen erst ab 1922. Insbesondere im 2. WK erwuchs der Strecke als strategische Umgehung Londons allerdings grosse Bedeutung. Nicht zuletzt diente sie auch der Zufahrt zur Bichester Military Railway, einer Anschlussbahn die seit 1942 westlich von Bichester mehrere Militärdepots erschliesst und von einer eigenen Einheit des Militärs betrieben wird. Bis zu 40 Meilen Gleis waren insgesamt auf dem heute teilweise mit Wohnungen überbauten Gelände verlegt.

Bezogen auf die Fahrgastzahlen war die Strecke jedoch kein Erfolg beschieden. In den 50er-Jahren versuchte man daher erstmals sie stillzulegen, scheiterte aber am Widerstand der lokalen Bevölkerung, die an ihrer Eisenbahn festhielt. Schliesslich konnte sich die den Strassenverkehr bevorzugende Politik trotzdem durchzusetzen und zu Beginn des Jahres 1968 endete der Verkehr auf den beiden äusseren Streckenteilen zwischen Oxford und Bletchley sowie zwischen Bedford und Cambridge. Während die Gleise Richtung Cambridge kurz darauf abgetragen und die Trasse teilweise überbaut wurde, blieben sie westlich von Bletchley mitunter aufgrund ihrer Verbindungskurven zu mehreren anderen Linien fur Überführungszüge erhalten. Dieser Umstand ermöglichte  1987 die vergleichsweise einfache Wiedereröffnung des Abschnitts zwischen Oxford und Bichester. Auch ein Güterverkehr zu einer Mülldeponie nahe von Bletchley konnte 2006 mit einem überschaubaren Aufwand eingerichtet werden.

Seit 1995 setzt sich ein Komitee für einen Wiederaufbau der gesamten Linie ein, unter anderem um attraktive Ost-West-Verbindungen zu ermöglichen. Das Teilstück zwischen Bicester und Bletchley soll dabei bereits in den nächsten Jahren wieder in Betrieb gehen, während sich die nötige Neutrassierung des östlichen Teils noch in Planung befindet. Die Marston Vale Line selbst dient derzeit als erstes Einsatzgebiet von renovierten und zu Dieseltriebwagen umgebauten ehemaligen D-Stock-Zügen der Londoner Tube, welche dort zwischen 1980 und 2017 auf der Distric Line verkehrten. Drei zweiteilige Triebwagen stehen seit April 2019 im regulären Einsatz.

Technische Daten:

 

Streckenlänge                                                                   26,9 Kilometer

Spurweite                                                                          1435 Millimeter

Anz ahl Bahnhofe in Betrieb                                             12

Anzahl Class 230 (ex D-stock London Tube)                    3

Eroffnung Bedford - Blechley                                            17. November 1846

Stillegung Personenverkehr Oxford - Blechley                 1. Januar 1968

Wiederöffnung Oxford - Bicester                                       25. Oktober 2015

Post Office Railway (Mail Rail)

Um die Beförderung der wachsenden verschiedenen Sortier- und Verteilzentralen zu beschleunigen, plante man in London ab 1911 den Bau eines unterirdischen Posttransportsystems. Bereits ab 1863 hatte es verschiedene Tests, unter anderem in Form einer vakuumbetriebenen, rohrpostähnlichen Bahn gegeben, die jedoch keinen dauerhaften Erfolg versprachen. Das neue, deutlich grösser ausgelegte Projekt sah hingegen eine unterirdische, vollautomatische Eisenbahn nach dem Vorbild eines ähnlichen Systems in Chicago vor, die auf einer 10,5 Kilometer langen Strecke die grossen Poststellen im Zentrum der Stadt miteinander verbinden und bei beiden wichtigen Bahnhöfen Paddington und Liverpool Street auch Anschluss ans nationale Eisenbahnnetz bieten sollte. In weiteren Etappen waren mehrere Seitenäste vorgesehen.

Der Bau des Tunnels begann im Jahr 1915, gebaut wurde hauptsächlich im Schildvortrieb. Alle Stationen stattete man mit einem Überholgleis aus, so dass der Verkehr während der Be- und Entladung eines Zuges weiterlaufen konnte. Zusätzlich wurden mehrere Wendeschalufen gebaut, damit Züge bei Bedarf vorzeitig gewendet werden konnten ohne die komplette Strecke zurücklegen zu müssen. Zum Weihnachtsgeschäft im Dezember 1927 konnten die ersten Pakete transportiert werden, der reguläre Betrieb fur die Briefpost begann wenig später im Februar 1928. Jede Station verfügte über ein Stellpult, von welchem die Züge abgefertigt und die Weichen gestellt werden konnten. Um die Steuerung zu vereinfachen, richtete man 1993 eine computergestützte Fernsteuerzentrale ein.

Trotz jahrelangem. zuverlässigen Betrieb entschied man sich im Frühjahr 2003 das System stillzulegen und den Posttransport wieder auf die Strasse zu verlagern. Mehrere Poststellen waren über die Jahre geschlossen oder verschoben worden, so dass zuletzt nur noch drei Stationen von der Mail Rail bedient wurden. Die Kosten fur den Unterhalt überstiegen den Strassentransport um das Fünffache. So fiel die gesamte Anlage in einen längeren Dornröschenschlaf. Im Zuge der Erneuerung des Postmuseums besann man sich allerdings auf die Einzigartigkeit dieses Transportmediums und schuf in der früheren Depot- und Werktstatthalle im Untergeschoss des Mount Pleasant-Sortierzentrums eine neue interaktive Ausstellung. Zwei eigens gebaute, batteriebetriebene Besucherzüge nehmen die Fahrgäste daher seit Sommer 2017 mit auf eine multimedial unterstützte Reise durch die dortige Station.

Technische Daten:

 

Streckenlänge                                                         10,5 Kilometer

Spurweite                                                                  610 Millimeter

Eröffnung:                                                                 3. Dezember 1927

Stillegung:                                                                 30. Mai 2003

Stromsystem:                                                            440 Volt Gleichstrom

 

Höchstgeschwindigkeit:                                            64 km/h

Maximale Tiefe:                                                        21 Meter

Tunnelduchmesser:                                                  2,7 Meter

Anzahl gebauter Fahrzeuge:                                    185 ( 5 Baureihen)

Betriebszeit:                                                             22 Stunden täglich

Beförderte Sendungen                                            ca. 4,4 Mio Briefe täglich

Streckenlänge Museumsbetrieb                              1,2 Kilometer

Anzahl Besucher pro Jahr:                                      ca. 190 000 Personen

Kent & East Essex Railway

An 1840 spriessen die Eisenbahnlinien wie Pilze aus dem Boden. Der Ort Tenderden blieb  jedoch trotz mehreren anderer Planungen aussen vor. In allen Fällen hatte man  eine direktere Streckenführung bevorzugt. So führten sowohl die Strecke nach Hastings, als auch die jenige nach Ashford weit an dem Dorf vorbei. Auch die Linie von Hastings nach Ashford wurde in den 1850er-Jahren in Küstennähe anstatt im Hinterland angelegt. In den folgenden Jahren entstanden weitere Projekte, die alle durch den Ort geführt hätten. Allerdings kam keines davon über die Planungsphase hinaus. Schliesslich hatte man in Tenderden genug von den ständigen Enttäuschungen und machte sich stattdessen selbst daran für den gewünschten Bahnanschluss zu sorgen. In günstiger Leichtbauweise durch Clolonel Stephens, den Erbauer und spätere Betreiber mehrerer britischer Nebenbahnen, erstellt, konnte der erste Güterzug am 2. März 1900 von Robertsbridge nach Tenderden verkehren. Der Personenverkehr folgte wenige Tage danach am 2. April 1900.

Allerdings lag der Bahnhof mehr als zwei Kilometer vom eigentlichen Ort entfernt, so dass sich die Freude bei der Bevälkerung in Grenzen hielt. 1903 wurde schliesslich die ersehnte Verlängerung bis ins Ortszentrum eröffnet, der bisherige Bahnhof umbenannt in Rolvenden. Zwei weitere Jahre Jahre später konnte auch auf dem letzten Teilstück nach Headcorn der Betrieb aufgenommen werden, die Strecke war vollständig. Die Fahrgastzahlen blieben allerdings weit hinter den Erwartungen zurück. Selbst eine Modernisierung unter dem Dach der damals neu gegründeten staatlichen British Railways im Jahre 1948 brachte keine Verbesserung, so dass 1954 schliesslich der letzte Personenzug rollte. Der wenige Güterverkehr konnte sich ebenfalls nicht mehr weiter halten und endete sieben Jahre später.

Technische Daten:

 

Steeckenlänge ursprünglich                                          34,6 Kilometer

Streckenlänge Museumsbahn                                      18,5 Kilometer

Spurweite                                                                      1435 Millimeter

Anzahl Bahnhöfe Museumsbahn                                  5

 

Southend Pier Railway

Da der Meeresboden vor Southend sehr flach ausläuft, war es grösseren Schffen bei Ebbe nicht möglich in Küstennähe zu gelangen. Regelmässig liefen selbst kleine Boote auf Grund. Um die Situation zu entschärfen, baute man 1830 einen hölzernen Pier der weit ins Meer hinaus reichte. Um den Warenumlad der zunehmenden Anzahl Schiffe zu erleichtern, richtete man 1851 eine Pferdetrambahn ein. Als es gut 30 Jahre später drum ging den gesamten Pier zu erneuern und durch eine stabilere Konstruktion zu ersetzen, plante man von Beginn an einew Eisenbah mit ein, welche auf der gesamten Länge des neuen, etwas mehr als zwei Kilometer langen Piers sowohl Schiffspassagiere - damals reisten viele Ausflügler aus London per Schiff an, obwohl seit 1856 auch eine Bahnlinie nach Southend existierte - als auch Fracht befördern sollte. Die erste Teilstrecke der elektrischen Bahn ging 1889 in Betrieb, die restlichen 800 Meter ein Jahr später.

Anfanglich verkehrten auf der Strecke offene, tramähnliche Wagen, deren Motoren über eine leicht versetzt in Gleismitte verlaufende Stromschiene mit 200 Volt Gleichstrom versorgt wurden. Der Strom wurde direkt am Pier mit Hilfe einer Dampfmaschine erzeugt, die über eine Leistung von gerade mal 25 PS verfügte. Als die Stadt 1902 ein eigenes Kraftwerk in Betrieb nahm, schloss man die Bahn daran an und erhöhte gleichzeitig die Spannung auf 500 Volt. Die vier verbundenen Triebwagen erhielten dafür allesamt neue Motoren, welche sieben Jahre später erneut ersetzt wurden um längere Züge zu ermöglichen.

Nachdem der Pier wahrend dem 2. WK inklusive der Bahn intensiv vom Militär genutzt worden war, drängte sich zum Ende der 40er-Jahre ein Ersatz der alternden Fahrzeuge auf. Man beschaffte insgesamt vier siebenteilige, geschlossene Zuge, die bei Bedarf einen 5-Minuten-Takt ermöglichten. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 18 Meilen pro Stunde (ca. 29 km/h) konnten pro Fahrt bis zu 260 Personen transportiert werden. Der Einsatz dieser Züge endete 1978 als man den inzwischen stark renovierungsbedürftigen Pier für Reparaturen schloss. Man nutzte die Möglichkeit und erneuerte neben dem Pier auch die Bahn komplet. Die Spurweitte von 1067 Millimetern reduzierte man auf 914 Millimeter, das doppelspurige Gleis wich einer einspurigen Ausführung mit mittiger Ausweiche. Zudem entfernte man die Stromschiene und setzt seit der 1986 erfolgten Wiedereröffnung zwei Dieselzüge ein. Diese werden seit 1995 hauptsächlich während der frequenzschwächeren Wintermonate eingesetzten Akkutriebwagen ergänzt.

Technische Daten:

Streckenlänge                                                                           2,01 Kilometer

Spurweite bis 1978                                                                   1067 Millimeter (Kapspur)

Spurweite ab 1986                                                                    914 Millimeter (3 Fuss)

Betrieb Pferdebahn                                                                   1851 - 1881

Eröffnung Pier Railway                                                             2. August 1890 

Stromsystem bis 1902                                                              200 V=

Stromsysystem 1902 - 1949                                                     500 V=

Stromsystem 1949 - 1978                                                        580 V=

Anzahl Fahrzeuge Passagierverkehr                                       2 x Dieselzug, 1x Batterietriebwagen

Höchstgeschwindigkeit                                                            10/12 km/h

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