CRC Westcoast Steamtrain Trip

Freitag, Samstag, Sonntag, 18./19./20. August 2017

Fruehmorgens wenn die Hehne kraehn! Solche waren nicht da, aber viele Leute, kuenftige Passagiere, Passanten, andere Neugierige. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite, mitten im Winter lauter Sonne, die kam ueber die Berge geschlichen und tauchte alles in gelbes Licht ein.

Abfahrtsort war im Hafengelaende von Kapstadt, gegenueber vom Yachtclub, das scheint ein idealer Platz zu sein, es hat genuegend Parkplaetze. Irgendwie muss man ja dahin kommen. 8:00am, langsam begann sich der Zug zu fuellen, 80 Passaguere sollten es dann schlussendlich sein, es haetten noch ein paar mehr Platz gehabt. 8:30 am, ein Pfiff, das vertraute Zischen, der erste Zylinderschlag: Die Reise ging los!

 

"Hintenrum", zwischen R27 und der Kueste entlang, durch den Milnerton Tunnel und dann auf die Metrorail-Linie Richtung Bellville. Auf der Suedstrecke "erlegte" ich den "Business Train" aus Strand, im Vorfeld von Bellville.

In Belville versammelte sich eben eine Armada von Rettungs- und Polizeifahrzeugen. Da muss was geschehen sein...

In Kraaifontein teilt sich die Strecke, wir befahren den nordwaerts zeigenden Ast, eine reine Gueterstrecke. In Klipheuvel versammelte sich wohl das Gros der Siedlungsbewohner. Solches Tun haben die ganz sicher noch nie auf der Linie gesehen. Weder eine Dampflok, noch ein Personenzug. Ein vollbepackter Zement-Silo Zug aus De Hoek musste vorbei gelassen werden. 

 

Angekommen in Kalbaskraal verliess uns die Zuglok, die Class 19D No 3322 "Dominique" um sich im Gleisdreieck fuer die kurze Rueckwaertsfahrt nach Malmesbury zu drehen. In Kalbaskraal teilt sich die Strecke wiederum, der eine Ast fuehrt nach Saldanha, der andere strikte nordwaerts bis hinauf nach Bitterfontein. Aber so weit ging unsere Fahrt dann doch nicht. 

Unterwegs waren es diverse Sujets Wert, diese abzulichten...

Ein erweitertes Gleisfgeld kuendigte die naechste Station an: Malmesburry. Sozusagen das Merkmal der Stadt ist die sehr grosszuegig dimensionierte Muehle von Sasko (ex Bokomo). Dank der vorgehenden Abdrehung in Kalbaskraal, stand die Lok nun richtig, um den Zug weiter in den Norden zu ziehen. Malmesburry hat einen Kopfbahnhof! Technisch ohne Weiteres moeglich, doch nie ausgefuehrt wurde eine kurze Umgehungskurve. In Malmesburry laege allerdings auch ein Gleisdreieck zum Wenden der Loks, doch dieses weist sehr enge Radien auf und ist in einem so schlechten Zustand , dass es nicht mehr benutzt werden kann.

Fuer die recht anspruchsvolle Strecke in den Norden der Western Cape Provinz, wurde ein zusaetzlicher Wasserwagen mitgeschleppt. Bevor die Reise weiter gehen konnte, musse der Wasservorrat ergaenzt werden. Infolge mangelhaftem Wasserdruck dauerte dieser Prozess ueberdimensional lange. Derweil besprachen die Bahnangestellten wohl das bevorstehende Wochenende. Ich wartete eineinhalb Stunden auf den ultimativen Shot, den ganzen Zug in Aktion zusammen ablichten zu koennen. Es kam jedoch nicht dazu, denn nach dem Ankuppeln der Lok ging es flugs weiter - man hatte keine Zeit fuer Wuensche der Fotografen...

Naechster Halt: Moorreesburg. Die Station war vollgestellt mit Wagen voller Salz aus Vellddrif (Saldanha). Auch ein mit Schotter beladener Zug stand da. Es schien reger Verkehr zu herrschen auf diesem Abschnitt! Auch war die Aussicht auf die neu erstellte Siloanlage mit  Mischwerk und Verladestation recht imposant, ja dominant. Derweil gleich nebenan die alte Anlage mit Muehlengebaeude langsam verfaellt. An Aktivitaeten konnte beaobachtet werden, wie Salz umgeladen wird. Zudem wurden fuer die Lok 4500 Liter Altoel zugefuehrt.

 

Moorreesburg, doch ja, die Schreibweise ist richtig! Leider hat auch hier die Unsitte des Zerstoerens und Klauens Einzug gehalten. Am Beispiel des einst sehr schoenen Bahnhofsgebaeudes - das notabene unter Schutz steht - kann abgelesen werden, wie stark oder schwach die etwas mehr pigmentierte Bevoelkerung des Landes an ihrer eigenen Geschichte interessiert ist. Der hoelzerne Vorbau mit dem Perrondach wurde kurzerhand zu Brennholz verarbeitet, das Dach ist eingeschlagen, um ins Innere zu den Einrichtungsgegenstaenden zu gelangen. 

Im weiteren Verlauf der Fahrt wechselten sich hoehere und weniger hohe Bergketten ab. Im Hintergrund erschien gar Schnee! Ein Indiz, dass es im August in Suedafrika eben winterlich kalt ist. 

Im Schatten der Palman habe ich gar einen Ansatz von Streckenunterhalt entdeckt: Alte Betonschwellen werden einseitig weiss eingefaerbt, sie dienen dann irgend einmal als Kilometersteine, mit entsprechend aufgemalten Zahlen.

Flott ging es voran, man erreichte Piketberg. Auf der Weiterfahrt buildete sich neben dem Zug ein einmalige anzusehende Russkette von der mit Altoel gefeuerten Lok..

Graafwater: Hier wurde nach Wasser gegraben, daher der Name. Etappenziel des ersten Tages. Busse brachten die Passagiere zu ihren Hotels nach Clamwilliam und Lambert's Bay. Das oertliche Hotel war wohl nicht standardgemaess und sicher viel zu klein um alle Mitfahrenden berherbergen zu koennen.

Mich verschlug es nach Lambert's Bay ins gleichnamige Hotel. Den Ort und das Hotel kenne ich von einigen Kurzaufenthalten bestens. Die Sorge ist jeweils, wie die Voegel die Nacht verbringen. Gleich hinter dem kleinen Hafen ist die Vogelinsel, ein Natutrschutzgebiet.  Dort brueten tausende von den Piepern. Die kaum mal ruhende Produktion der Fischfabrik spuckt kontinuierlich Abfaelle in einen offenen Container. Das verbreitet nicht nur eine penetranten "Duft", das zieht auch die Moeven, Albatrosse und Fregattvoegel an. Die im Kampf um das Futter ausgestossenen Laute gleichen einem steten Stakkato. Es war aber irgendwie ruhiger durch die Nacht, als ich es in Erinnerung hatte.

Die Fischerei hat eine weniger wichtige Bedeutung in dem Kaff. Der groesste Arbeitgeber ist die "French Fry"-Fabrik am Hafen.

Stellvertretend fuer die zahlreiche Board Crew stelle ich Catharina und Kewin vor.

Catharina:

Wagenchefin (jeder Wagen wird von einem Wagenchef oder einer Wagenchefin betreut): Zustaendig fuer die Uebermittlung von Informationen an die Gaeste. Ueberwachung der Ordnung und Sauberkeit, sowie Ein- und Ausstieg.

Kewin:

Oberster Wagenchef ueber alles (direkt unter dem Zugchef). Er hat die Wagenchefs zu instruieren und bestimmt und koordiniert nach der Order vom Zugchef die moeglichen Ausstiege unterwegs.

Die Organisation sah vor, dass man sich nach dem Fruehstueck wieder mit dem Bus zur Station Graafwater schaukeln liess. So ist es dann auch geschehen. Der fruehmorgens schon wolkenlose Himmel versprach einen schoenen Tag! Der Zug stand bereit, der zusaetzliche Wasserwagen wurde auf dem Nebengleis stehen gelassen, wurde heute nicht gebraucht.

Schon wenige Kilometer nach dem Start bildeten sich Schlieren am Himmel, es schien feuchte Luftschichten zu geben, die da oben hingen. Doch einen Einfluss auf das Tagesgeschehen hatte dies nicht! Die Landschaft wurde interessant, ganz ungewoehnliche Gebilde saeumten die die Berghoehen. Einzelne Bluetengruppen und eine schier unuebersichtliche weisse Ebene machten Hoffnung auf mehr!

Die Bahnstrecke erklomm eine anspruchsvolle Steigung zu einem Pass. Der Zug hielt auf der Passhoehe unvermittelt an. Bald lichtete sich der Grund: Schein-Anfahrt! Alles (was Bilder machen will) aussteigen!

Es war keine Veranstaltung fuer Eisenbahnfotografen... Man stand sich im Weg herum, trat vor die Linse der Hinterleute und kuemmerte sich mehrheitlich nicht um ein gemeinschaftliches Erlabnis, an welchem alle gleichermassen teilhaben koennen sollten. Ich fand aber einen guten Platz am Fusse eines Felsens, da war ich relativ sicher vor ausgestreckten Armen und anderen "Bildstoerungen". Mit dem richtigen Teleobjektiv und etwas Nachbearbeitung hat es ja auch recht gut geklappt!

Alles einsteigen! Es geht weiter. Zwischenfallslos gings nun recht flott den Bergruecken hinunter ins Olifants River Valley. Wie vorgesehen erreichte der Zug rechtzeitig die Station Klawer. Hier wurde wieder in Busse umgestiegen. Etwa 200 Meter weiter war schon das Klawer Hotel und somit die Verpflegungsstaette zum Mittagsmahl erreicht. Ein Witz. Ein paar Meter Fussmarsch haetten sicher gut getan!

Es war schon im voraus zu ahnen, dass nicht all zu viele Blumen gesichtet werden koennten. Felder oder Gartenbeete (oder wie soll man das nennen?) regelmaessig gewaessert. Somit konnten auch Blumen spriessen. Hoch ueber dem Clanwilliam Dam, der gerade mal zu einem Drittel gefuellt war, konnte man sich auf Bluetensafari begeben.

Nach getaner "Arbeit" folgte der Transport zu den Hotels mit Abendessen und je nach Befindlichkeit mit einem kleinen Ausklang. Das war ein recht netter zweiter Reisetag - ich bin ehrlich: Ich haette etwas mehr erwartet. Vielleicht war der Trip etwas zu frueh angesetzt? Schade war natuerlich, dass der Dampfzug mit der gewendeten Garnitur Wagen ohne oder beinahe ohne Gaeste zurueck nach Graafwater dampfte.

So bequem ist man im Zug gereist. Viel bequemer als im Reisebus.

Graaffwater war wieder morgendlicher Startort. Nichts als Landschaft unterwegs - und eine qualmende Lok! Es wurde ihr aber auch alles abverlangt...

Landschaft und Qualm - interessante Bergformen. Da kommt irgendwann noch was...

Weiterfahrt mit Halt in Picketberg und am Trennpunkt des Streckenblocks: De Hoek. Diese kleine Station hat schon sehr lange keinen haltenden Personenzug mehr gesehen.

Mittagshalt - Bustransfer zur Farm "Die Hut".  Ein schoener Garten empfaengt die Gaeste. Der enge Eingang ist das Tor zum Napf aus dem die Speise quillt. Ein netter Saalbau der fuer weit mehr Gaeste Platz bietet als wir es waren. Das rechhaltige Buffet war natuerlich das Ziel der Begierde und es bildete sich schnell eine lange Reihe. Es ist oft so, dass die Zeit knapp wird. Das Dessert war nicht mehr allen gereicht, die Zeit draengte. Aber es war eine gute Idee, hierher zu kommen!

In Malmesburry, das haben wir oben gelesen, steht ein ulkigerweise ein Sackbahnhof - ohne Umleitung! Um den Zug, bzw. die Lok zur Vorwaertsfahrt zu wenden, braucht es ein Gleisdreieck. Das Gleisdreieck steht da - allerdings mit sehr engen Kurven und in einem erbaermlichen Zustand. Aus diesen Gruenden wohl hat man praeventiv entschieden, die Lok erst mal rueckwaerts fahren zu lassen. Mit einem Langtender (Bauart Vanderbilt) voraus, dazu noch ein zweiter Wasserwagen - das sind schnell mal 30 Meter! Also alles andere als uebersichtlich und stressig fuer Lokfuehrer und Heizer.

Bis Kalbaskraal war dieses Manoever durchzustehen, dann wurde vor dem Trennsignal die Lok abgekoppelt. Sie fuhr nun ins grosse Gleisdreieck ein, aenderte die Richtung am ersten Schenkel und kam dann nach dem Durchfahren des zweiten Schenkels wieder zurueck zum Zug. Hier wieder angekuppelt, stand die Lok mit Kessel voraus richtig fuer die Vorwaertsfahrt nach Kapstadt.

Ende der Reise... Es wurde dunkel, die Glieder und Augenlider wurden schweer. Langsam tat man es den Huehnern gleich: Wenn's eindunkelt legt man sich schlafen (smile). Es war aber auch wieder eine Reise voller kleinerer und groesserer Hoehepunkte!

Es war schon lange tiefe Nacht, als der Zug dann zuegig in die Gleisharfe am Hafen einbog und die kostbare "Fracht" an ihren Ausgangspunkt zurueck brachte. Maenniglich musste sich erst sammeln, sein Gepaeck abholen und konzentriert in seinem eisernen Fahrstuhl nachhause brummen.