Genua / Genova

20. bis 24. Juni 2018 mit Beat Joos

Allgemeines:

Auch auf diesem dritten Teil meiner Norditalien-Reise war ich nicht alleine unterwegs. Mein Begleiter war Beat Joos, der die selben Reisegewohnheiten hat wie ich - und im Übrigen ergänzen wir uns. Es ist nicht unsere erste gemeisame Reise. Einzig meinen Hang zu exotischem Essen mit viel Fisch und Meeresgetier, das teilt er nicht. Aber die Restaurants halten genügend Vorräte vor, um jeden Gaumen zu kitzeln. In der Folge ernährten wir uns so richtig italienisch!

 

Unterkunft:

Unser Hotel lag sehr zentral. Hoch oben im 5. Stockwerk in einem Geschäftshaus mit lauter Doktortiteln wie Rechtsan-wälte, Advokaten, Aerzte. Es gab Frühstueck im persönlichen Rahmen, vom Geranten und Rezeptionisten in Personal-union offeriert. Die Zimmer einfach aber vollständig, mit Bad und Fernseher (der bei mir nie lief). Der einzige Negativ-punkt war der vermaledeite Lift. Zu Fuss hochzusteigen war mir zuwider, so gab es eben Wartezeiten. Ab dem zweiten Tag verwendeten wir nur noch die Vornamen und ab dem Dritten Tag waren wir Amici. Ob es an meinen nicht mehr ganz so präsenten Sprachkünsten in Italienisch lag?

 

Verpflegung:

Tagsüber in den touristischen Zentren und Altstadt sowie in Aussenquartieren kein Problem. Abends sind andere Gepflogenheiten zu beachten: Ab 18 Uhr nur noch Kundschaft in Restaurants und Bars, die essen will. Angefangen mit Oliven und Brot und anderen Antipasti. Jedoch wird erst ab 19:30 gekocht und warmes Essen aufgenommen! Manche Restaurants haben gar am Nachmittag geschlossen und öffnen erst nach 19 Uhr oder noch später wieder. Und trotzdem: Will man nach 22 Uhr noch einen Drink als Absacker geniessen, rennt man oft an geschlossene Türen. Nur wenige Lokale sind bis Mitternacht geöffnet. Gute Biere, guter Wein!

 

Transport:

Deshalb sind wir hier. Wir wollen die vielfalt der Transportmöglichkeiten der Stadt erkunden! Der Linienplan der AMTGenova versprach viel, wir wurden nicht enttäuscht! Eine Zahnradbahn, zwei Standseilbahnen, eine Schmalspur-bahn, zehn Lifte, 30 Buslinien, eine Trolleybuslinie, die U-Bahn, S-Bahnlinien und ein Wasserbus waren zu finden und zu befahren. Wir lösten jeweils eine Tageskarte, die auf allen städtischen Transportmitteln gültig war. Achtung: Jedoch nicht gültig auf der Ferrovia Genova - Casella und auf dem Wasserbus im Hafen!

 

Kultur:
Sie verfolgt den Besucher auf Schritt und Tritt. Banner und Plakate werben für Theater, Komödie, Konzerte und Ausstellungen. Jedes zweite Haus ist ein Palazzo mit Geschichte. Plätze öffnen sich, Gaukler präsentieren ihre Künste.  Das pulsierende Leben findet draussen statt, da hockt keine(r) in der Stube!   

 

Übersichtsplan  Schienenverkehr und Lifte in Genua

Damit man sich in etwa vorstellen kann, wo die verschiedenen Verkehrsmittel zu finden sind, ist dieser Plan eingefügt. Die Buslinien sind nicht eingezeichnet. Die Metro ist bis Brignole fertig gestellt!

Bahnhof Brignole

Unser Hotel in der 5. Etage eines Geschäftshauses.

Die unmittelbare Umgebung

Orientalischer Markt / Mercato Orientale

Palast der Stadtverwaltung / Palazzo Municipio

Cita vecchia / Altstadt

Bahnhof Piazza Principe

Stadtzentrum / Centro Cita

Nella Notte

Hafen / Porto

Schloesser und Burgen / Castelli

Transportmittel

Roller / Motorini

Wieselflink und überall präsent, an den Ampeln die Ersten, sie schwärmen aus wie Fliegen. Summend. knatternd, stinkend. Glücklicherweise sind nicht mehr viele Zweitakter unterwegs. Ein omnipräsentes Individuales Verkehrsmittel.

Diesel-, Gas- und Trolleybusse

Die Piazza Ferrari ist eindeutig das Zentrum, hier kreuzen die meisten Buslinien. Wir haben den Platz wohl aus allen möglichen Richtungen irgendwie erreicht. Die Linie 20 hängt unter der Fahrleitung, manchmal werden auch ad hock auf der Strasse kleinere Reparaturen erledigt.

S-Bahn

Metro (U-Bahn)

Schmalspurbahn / Ferrovia Genova - Casella

Die 1929 eröffnete Schmalspurbahn Ferrovia Genua Casella (FGC) hat eine bewegte Geschichte, die Bücher füllen kann. Deshalb nur das Wichtigste:

Startpunkt der FGC ist am Piazza Manin in Genua auf 93 Metern Höhe. Der Trenino hat ein Trasse von 24318 Metern in der Spurweite 1000 Millimeter. 45 Prozent der Strecke befindet sich in Kurven, deren Minimalradius 60 Meter beträgt. Die maximale Steigung misst 45 Promille. Der Zug überquert ein gemauertes Steinviadukt mit vier Bogen zu 10 Metern, fünf ebensolche mit drei Bogen und zwei mit nur einem Bogen. Eine weitere dreifeldrige Brücke besteht aus Beton. Zusätzlich gibt es noch zwei Stahlbrücken. Insgesamt sind 13 Tunnels zu durchfahren, die eine Länge zwischen 30 und 150 Metern aufweisen. Acht automatische gesicherte Bahnübergänge ohne Schrankenanlagen sind vorhanden. Betrieben wird der Trenino mit 3000 Volt Gleichstrom.

Der Streckenverlauf mit dem Kulminationspunkt auf 458 Metern, erlaubt immer wieder Ausblicke auf die Stadt Genua. Überwiegend sieht man jedoch Wälder!. Es werden vier Ortschaften durchfahren, diese sind Genua, Casella und dazwischen Sant'Olchese und Serra Ricco. Es werden drei Täler durchquert: Valle Valbissagno, Valpalcevera und Valle Scrivia. Der Endpunkt in Casella liegt auf 410 Höhenmetern.  Die Höchstgeschwindigkeit der Züge betraegt 30 km/h, man braucht 65 Minuten für eine einfache Fahrt.

Eine Besonderheit besitzt die Bahn: Eine Spitzkehre! Sie befindet sich im Areal des Depots in Casella Deposito, kurz vor Streckenende. Warum man zu dieser Lösung kam, ist dem Schreibenden unbekannt. 

Ewas aelteres Material

Streifzug durch das Depotareal in Casella Deposito

Etwas Arbeitsvorrat...

Die Strecke

Casella - das Dorf

Die Zahnradbahn / La Cremagliera Granarolo - Principe

Die 1130 Meter lange Bahnstrecke mit Spurweite 1200mm wurde im Jahre 1901 eröffnet. Mit einer maximalen Steigung  von 214 Promille überwindet die Bahn 194 Höhenmeter. Installiert wurde ursprünglich die Zahnstange System Riggenbach, welche das Fahrzeug mit max. 8 km/h befährt.

Infolge Hangdruck wurden die Stützmauern mit den Jahrzehnten instabil, auch die Trasse litt unter Verwerfungen, deswegen der Personentransport ab einem ungewissen Datum auf der oberen Hälfte eingestellt werden musste. Es wurden nur noch die ersten 500 Meter der Strecke befahren, bzw. Personen befördert. In die Remise in Garnarolo musste der Triebwagen aus Sicherheitsgründen leer fahren. Die Trasse wurde instandgestellt, die Stützmauern befestigt, so dass anfangs November 2012 der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Die Zahnstange System Von Roll wurde eingebaut, sie hat die gleiche Teilung und die selben technischen Daten wie zuvor die Zahnstange nach System Riggenbach. Die Bahn wird mit 550 Volt Gleichstrom betrieben.

Im Juli 2018 soll der zweite Triebwagen vollständig revidiert wieder auf der Strecke zum Einsatz kommen!

Ein bemerkenswertes Detail: Der Triebwagen 1 hat in Richtung Tal auf der linken Seite Räder mit doppeltem Spurkranz. rechts jedoch nur eine Rolle. Der Wagen 2 sollte demnach genau umgekehrt sein. Somit funktioniert die Zahnradbahn in der Schienenführung wie eine Standseilbahn, die Weichen müssen nicht bedient werden!

Standseilbahn / Funicolare di Sant'Anna

Die Bahn ist 353 Meter lang und überwindet 54 Meter Höhendifferenz. Eröffnet wurde die Bahn im Jahre 1891, Updates gab es 1980. Es gibt unterschiedliche Geschichten zur Bahn. Die eine sagt, sie sei 1922 elektrifiziert worden, wobei die andere behauptet, dass sie bis ins Jahr 1929 mit Wasserballastantrieb verkehrte. 

Standseilbahn / Funicolare Zecca - Righi

Die Anlage wurde in zwei Sektionen 1891 bis 1901 gebaut. Andere Quellen schreiben von 1893 - 97. Jedenfalls wurde zumindest die erste Sektion im Jahre 1897, am 28. September, eröffnet. Im Jahre 1966 wurde die Bahn durch die Bell AG Kriens, total umgebaut in eine Einsektionen-Bahn, deren Zwischen- und Kreuzungsstation sich in San Nicolao befindet.  Neue Wagen gab es 1990. Die Gesamtlänge der Trasse beträgt 1428 Meter, die Höhendifferenz beträgt immerhin 279 Meter!

Lift / Ascensore Piazza San Brigida - Corso Dogali

Diese Anlage ist weltweit einzigartig. Durch einen kurzen Zugang kommt man an eine Lifttür, die sich öffnet, sobald die Kabine angerollt ist. Die blaue und auch die orange Kabine werden von je einem separaten Seilzug bewegt. Mit einer leichten Steigung von insgesamt drei Metern geht es mit 4 m/s 236 Meter in den Berg hinein.  Die Kabine setzt dann auf ein Reck, das die Kabine mit 1,6 m/s senkrecht 69,33 Meter in die Höhe zieht. Die beiden Kabinen verkehren wechselseitig. Kommt die Blaue am Reck an, setzt sich die Orangene gegen den Ausgang in Bewegung. Genial!

Die Anlage wurde 1929 gebaut und 1995 total revidiert. Im Jahre 2004 kam die jetzige Anlage als eigentlicher Neubau in Betrieb.

Lift / Ascensore Portello - Castelletto

Vom Piazza Portello geht es in einen Hauseingang und durch den Tunnel etwas 100 Meter in den Berg. Der Aufzug jettet in einigen Sekunden 57 Meter hinauf auf die Belvedere-Terrasse (Belvedere Montaldo Levante). Von hier hat man einen ungeahnten Überblick über die Stadt. Der vollständig gekachelte Tunnel im Jugendstil hat nicht nur Ornamente eingearbeitet, auch die Reklame kam damals beim Bau schon nicht zu kurz. Die Anlage kam 1910 in Betrieb.

Lift / Ascensore Castelletto - Ponente: Chiuso / geschlossen

 

 

Dem Beschrieb, dass der Aufzug wegen Revision geschlossen ist, kann man einige Details entnehmen:

Die Anlage ist rund dreissig Jahre alt. Ab Mittwoch, 7. März 2018 wird der Betrieb eingestellt, um die Anlage den heutigen Vorschriften anzupassen. Die gesamte Struktur inklusive des Fahrstuhls wird erneuert. Ausserdem werden die Steuerung und die elektrische Ausrüstung ausgewechselt. 

Ertwas detaillierter steht es in den Textkasten:

Neue Motoren, neue Winde, neue Kabine. Einbau einer neuen Steuerung.   Auswechslung   aller  sicherheitsrelevanten  Bauteile 

Videoüberwachung mit Verbindung zur AMT-Zentrale, Störungs-meldungs-System. Totalerneuerung des Zugangstunnels, neue Beleuchtung und Einrichtung. Wann die Anlage wieder in Betrieb gehen soll, ist nicht angeschlagen.

 

Die Anlage hat eine Höhendifferenz von 61 Metern. Sie wurde 1926 fertig gestellt und in den 90ern teilerneuert.

Lift / Ascensore San Teodoro, Bari - Centurione: Chiuso / geschlossen

Diese Aufzugsanlage verbindet die Station Bari der Zahnradbahn unmittelbar am einzigen Tunnel der Strecke, mit dem darunter liegenden Quartier Centurione. Zum Zeitpunkt meines Besuches war die Kabine des Hydrauliklifts demontiert und zur Revision entfernt. Eine kurze Mitteilung neben der Tür des Aufzugs war der einzige Hinweis, dass hier nichts weiter führt als die Treppe, die um den Hebeturm herum gezogen ist. Der Lift wurde 2010 erbaut, hat sich wohl nicht bewährt. Er überwindet nur gerade 12 Meter Höhe.

Lift / Ascensore Magenta - Via Crocco

Gleich von der Bergstation der Standseilbahn in Sant'Anna über die Strasse, durch einen kleinen Park, führt ein kurzer Weg zum nächsten, 1963 gebauten Lift. Dieser hebt den Gast 49 Meter in die Höhe. Die Gebäude ringsum sind noch einmal einige Meter hoch, doch es gibt auch eine wunderbare Aussicht auf die Stadt! Im Zugangsstollen ist der Eingang zur antiken Apotheke Sant'Anna. Ein weiterer Lift endet direkt im Ladengeschäft. Hier stand auch der einzige fotografier-bare Ticketautomat. Entweder sind sie so versteckt, oder verdreckt, oder in grellem Licht.

Lift / Ascensore Mura degli Angeli

Höhendifferenz 46 Meter, Baujahr 1963. Diese Anlage haben wir nicht besucht.

 

Lift / Ascensore Monumentale

Höhendifferenz 23 Meter, Baujahr 1959. Diese Anlage haben wir nicht besucht. Sei liegt an der Via 20 Settembre. Wir sind einige Male daran vorbei gekommen, da dies ja in unmittelbarer Nähe des Hotels gelegen war. Auf die Idee, da hinauf zu fahren sind wir nicht gekommen! Siehe dazu auch letztes Bild unter "Die unmittelbare Umgebung".

 

Lift / Ascensore Via Imperia

Höhendifferenz 34 Meter, Baujahr 1954. Diese Anlage haben wir nicht besucht. Sie liegt hinter dem Bahnhof Brignole und verbindet die Via Montessano mit der Via Imperia. Der Lift ist von der Metrostation zu erreichen. Wir haben jedoch den Bus ab Bahnhofvorplatz hinauf zur Piazza Mannin benutzt.

 

Lift / Ascensore Piazza Manin - Via Montello

Höhendifferenz 43 Meter, Baujahr 1964. Diese Anlage haben wir nicht besucht. Wir haben sie schlicht und einfach nicht gefunden, denn der Zugang führt durch ein Privathaus!

 

Lift / Ascensore Piazza Manin - Via Contardo 

Höhendifferenz 32 Meter, Baujahr 1938. Diese Anlage haben wir nicht besucht. Der Lift wurde während dem 2. WK installiert, der Zugang ist durch ein Privathaus angelegt. Wir haben ihn nicht gefunden!

Aufgeschaltet am 11.07.2018